Schlagwort: Wikinger

dagmar_statue_1024

Dänemark – Oder: Wie komme ich zur Ruhe in zwölf Tagen

Viele Menschen zieht es in diesen Tagen in die weite Welt. Südafrika, die Malediven oder die USA sind derzeit nicht nur bei unseren Freunden und der Familie die angesagtesten Reiseziele. Doch wozu soll man unzählige Flugstunden auf sich nehmen, wenn das Schöne doch so nahe sein kann?
Schon immer hat uns der Norden Europas besonders begeistert. Das raue Klima, die salzige Seeluft und die Gelassenheit der Menschen in diesem Teil der Welt zieht uns seit jeher magisch an. Wir – ein junges Ehepaar aus dem Rhein-Main-Gebiet – versuchen der Hektik des Alltags in den entlegensten Ecken Europas zu entfliehen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unseren Urlaub 2019 bei unseren nordischen Nachbarn in Dänemark zu verbringen.

Ein Urlaub mit Rückenwind

Die Route unserer Rundreise um die Hauptinsel Jütland soll uns entlang der Westküste nach Norden bis nach Skagen, dem nördlichsten Zipfel Dänemarks, führen und im Anschluss an der Ostküste zurück wieder gen Heimat. Im Gepäck haben wir neben unserer Greyhound-Hündin Leyla natürlich auch unseren Fotoapparat sowie die Hoffnung, viele tolle und beeindruckende Orte zu entdecken.

Unseren ersten Halt legen wir in Ribe ein.
Ribe ist ein wunderschönes Städtchen in unmittelbarer Nähe zum dänischen Wattenmeer. Als eine der ältesten Städte Dänemarks ist man hier sehr stolz auf das Erbe der Wikinger, deren Spuren man an jeder Straßenecke bemerken kann. Insbesondere der alte Bootsanleger im Ortskern lässt einen daran denken, wie es sein musste, als hier vor mehr als 1000 Jahren die Drachenboote vertäut waren. Statuen und Denkmäler großer Helden, wie die der Dänen-Königin Dagmar, zeugen von der langen Geschichte des Ortes. Wer sich – so wie wir – nach Ruhe und auch einem Stück Einsamkeit sehnt, sollte unbedingt einen Abstecher auf die Gezeiteninsel Mandø einplanen. Die Insel ist nur über einen Damm bei Ebbe erreichbar. Bei Flut wird der Damm von der Nordsee verschluckt.

Ein starker und kalter Wind ist unser ständiger Begleiter auf unserem Weg nach Norden. Doch auch die Sonne lässt uns nie allzu lang warten. Wir entdecken Robben am Strand der Insel Fanø und erkunden halb versunkene Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Die Bunker, die uns noch viele Male begegnen werden, wirken beinahe surreal in der sonst so idyllischen Landschaft. Als Fotomotiv vereinen sie sowohl Bedrohlichkeit als auch Vergänglichkeit vor einer nahezu unberührten Natur.
Bei langen Spaziergängen an scheinbar endlosen Stränden auf Fanø, bei Hvide Sande oder am Leuchtturm Lyngvig Fyr lassen wir unsere Seelen vom Wind lüften und auch Leyla hat sichtlich ihren Spaß, während sie uns wieder einmal von ihren Sprinter-Qualitäten überzeugt.

Der versandete Leuchtturm Rubjerg Knude, im Vordergrund Dünen und Sand

In Dänemark gibt es wunderschöne Naturschauspiele zu bewundern, wie Rubjerg Knude eindrucksvoll beweist. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Dänemark und seine Facetten

Im Verlauf unserer Reise besichtigen wir auch eine der wenigen Whisky-Destillerien Dänemarks in Stauning. Hier lassen wir uns von der Begeisterung des Personals für den aus Roggen- und Gerstenmalz gebrannten und in liebevoller Handarbeit hergestellten Whisky anstecken.

Je weiter nördlich wir gelangen, desto frischer und kälter weht auch der Wind. Da wir bereits Ende März in Dänemark unterwegs sind, tragen wir stets unsere dicken Jacken. Die Sonne hat jedoch bereits Kraft, sodass man im Windschatten der Dünen die Temperaturen deutlich wärmer wahrnimmt. Der Wind hält uns jedoch nicht davon ab, viel Zeit in den wunderschönen Dünenlandschaften – den Klitplantagen – zu verbringen. Die kleinen Fischerorte, durch die wir auf unserer Reise fahren, wirken zwar aufgrund der Jahreszeit noch sehr verschlafen und mitunter ausgestorben, doch einige kleine Restaurants und Cafés haben bereits geöffnet und bieten Platz sich bei einem Mittagessen aufzuwärmen.
Natürlich darf auch das typisch dänische Smørrebrød nicht ausgelassen werden, welches in beinahe endlos scheinenden Kombinationen zu jeder Tageszeit angeboten wird.

Wer bis in den hohen Norden Dänemarks gelangt, wird vermutlich nicht um einen Ausflug zum Leuchtturm und der gleichnamigen Düne Rubjerg Knude herumkommen. Der Leuchtturm thront äußerst prominent inmitten von Sanddünen an der rauen Küste der Nordsee. Er wurde bereits vor einigen Jahren verlassen und dient heute nur noch als Touristenattraktion, die jedoch einen einmaligen Charme versprüht.
Hier hat uns natürlich neben der Besteigung des 23 Meter hohen Turmes, der einen fantastischen Panorama-Blick über die Dünen ermöglicht, auch eine kleine Wanderung durch eben diese beeindruckt. Abseits der großen Wege, denen alle Touristen folgen, fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Der stete Wind formt hier aus Sand teils bizarr anmutende Strukturen, die nicht nur bei Sonnenschein als wunderschöne Fotomotive dienen können.

Ein ebenso spannendes Erlebnis bietet die Wanderdüne Råbjerg Mile, bei der wir auf unserem Weg nach Skagen einen Halt einlegen. Während wir uns bei strahlendem Sonnenschein durch den feinen, weißen Sand der hohen Dünen kämpften, warten wir nur darauf, dass plötzlich eine Kamel-Karawane unseren Weg kreuzen würde. Der eisige Märzwind bläst diese Gedanken doch genauso schnell wieder fort, wie sie gekommen waren.

Küste in Dänemark mit Meer und Wellen

Selbst Dänemarks teilweise schroffe Küsten punkten mit einer einmalig schönen Landschaft. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Von Dünensand bis Fjordgewässer

Als wir schließlich die nördlichste Spitze Dänemarks, die sandige Landzunge Grenen in der Nähe von Skagen, erreichen, bietet sich uns ein atemberaubender Anblick. An diesem besonderen Ort treffen die rauen Wellen der Nordsee – dem Skagerrak – auf die deutlich gemäßigtere Ostsee – dem Kattegat. Man erkennt deutlich die unterschiedliche Färbung der beiden Meere, die sich hier zwischen Dänemark und Schweden vereinen und aufgrund der starken Strömungen zu den gefährlichsten Gewässern Nordeuropas zählen. Wir treffen bei unserem Spaziergang auf eine kleine Robbe, die uns ganz entspannt grüßt und ihre Aufmerksamkeit danach wieder dem Sonnenbad widmet.

Der weitere Weg führt uns nun entlang der Ostküste in Richtung Deutschland zurück. Hier merkt man deutlich den geringeren Einfluss der rauen und stürmischen Nordsee. Alles wirkt hier etwas gemäßigter. Selbst die Uhren scheinen noch einmal ein Stück langsamer zu gehen.
Der Osten des Landes ist geprägt von weitläufigen Schilflandschaften, die sich mit großen, flachen Stränden abwechseln. Die ausgedehnten Dünenlandschaften des Westens weichen hier den tief ins Landesinnere reichenden Fjorden, die das Landschaftsbild insgesamt deutlich ruhiger erscheinen lassen.

Fischerboot im Sonnenuntergang am Strand in Dänemark

Fischerboote am Strand gehören in Dänemark einfach dazu. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Mehr Hygge gibt es nirgendwo

Im kleinen Fischerörtchen Bønnerup legen wir einen Halt ein und erkunden den Hafen. Den maritimen Charme solche Orte abseits der großen Hauptstraßen haben wir bereits im gesamten Verlauf der Reise zu schätzen gelernt. Kleine Fischerboote, die vor den Wellen und dem Wind geschützt im Hafen liegen, Netze, Reusen und allerlei sonstige Fischerutensilien findet man hier zu Hauf. Kleine Geschäfte, in denen man frischen und geräucherten Fisch kaufen kann, ebenso. Nicht nur einmal fand ein leckeres Stück Räucher-Lachs oder auch die sehr schmackhafte Rotzunge ihren Weg auf unseren Teller.

Den Abschluss unserer Reise bildet eine Besichtigung des Wikinger-Museums in Jelling sowie ein Besuch des angrenzenden historischen Geländes. Vor vielen Jahrhunderten wurden hier der erste König Dänemarks Harald Blauzahn sowie sein Vater Gorm der Alte beerdigt. Zwei gigantische Grabhügel, die man heute noch besteigen kann, befinden sich inmitten eines großflächig angelegten Areals, das einst mit riesigen Eichen-Palisaden umzäunt war. Von den Palisaden sowie dem Verlauf des Walls zeugen heute nur noch Säulen aus weißem Beton. Inmitten der Anlage befand sich zudem eine der größten Schiffssetzungen Europas, die mit ihren 350 Metern länger als der Eiffelturm in Paris hoch ist. Weiße, in den Boden eingelassene Betonplatten, die in ihrer Form den Rumpf eines Schiffes beschreiben, erinnern an die alte Beerdigungstradition der Nordmänner. Die gigantischen Ausmaße der Anlage kann man erst auf einer der Spitzen der Grabhügel wahrnehmen.
Doch auch das Museum hält viele Überraschungen und besondere Artefakte aus der Zeit von Harald Blauzahn bereit. Insbesondere die Beschreibungen der Mythen und Legenden sowie die Darstellungen zur Lebensweise der Wikinger haben uns nachhaltig beeindruckt.

Schatten von Hund und Menschen am Strand in Dänemark

Gemeinsam eine entspannte Zeit zu erleben, das geht in Dänemark ganz hervorragend. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Fazit:

Fragt man uns heute, was von 12 Tagen Dänemark bleibt, fällt die Antwort darauf nicht schwer. Neben vielen unvergesslichen Eindrücken und Momenten, die wir in unserem Koffer mit nach Hause bringen und im Herzen behalten werden, bleibt vor allem ein Gefühl der inneren Ruhe zurück. Die Dänen nutzen hierfür das Wort hygge, für welches sich im deutschen keine passende Übersetzungen finden lässt. Vermutlich muss man Dänemark erlebt haben, um die Bedeutung zu verstehen.
Alles in Dänemark wirkt auf uns entspannter, gemütlicher und gelassener. Sicher trägt auch die frühe Jahreszeit ihren Teil dazu bei, dass das Land noch an vielen Stellen nicht vollständig aus seinem Winterschlaf erwacht zu sein scheint. Wir sind jedoch überzeugt, dass man auch in der Hauptsaison im Sommer Ecken finden kann, an denen es hygge ist.

Dänemark hat sich uns von einer zwar sehr rauen und stürmischen aber gleichzeitig unglaublich vielseitigen und wunderschönen Seite gezeigt. Surreal anmutende Bunker inmitten endloser Dünen, beeindruckende Küstenlinien, die unter dem ständigen Einfluss der rauen See einem steten Wandel in Form und Struktur unterworfen sind sowie unzählige wunderschöne Leuchttürme machen Dänemark nicht nur für Naturliebhaber und Fotografen zu einem El Dorado, sondern auch für all jene, die – wie wir – Abwechslung vom Alltag und ein bisschen Ruhe suchen.
Wieder einmal wurden wir in unserer Ansicht bekräftigt, dass man nicht in die ferne Welt ziehen muss, um das Besondere zu erleben. Manchmal kann Schönes so nah sein.

Eines Tages werden wir sicher wiederkommen…

 

Autorenfoto von Fotografin Miriam Castle-Weiss, Inhaberin von one-glimpse.comZur Autorin: Wir sind Miriam und Alexander, die gemeinsam mit unserer Greyhound-Hündin Leyla zwei Wochen lang Dänemark erkundet haben. Wir lieben die Natur, die Ruhe und Gelassenheit der nordischen Länder sowie lange Spaziergänge am Meer. Im Urlaub erholen wir uns vom Alltagsstress und können einfach die Seele baumeln lassen. Gutes regionales Essen ist uns im Urlaub ebenfalls wichtig. Da wir stets Ferienwohnungen mit einer Küche buchen, können wir abends unsere Einkäufe selbst zubereiten.

Als Familien-Fotografin bei one-glimpse.com habe ich außerdem zusammen mit dk-ferien zwei Shootings vor der traumhaften Kulisse von Dänemarks Küste organisiert. Denn auch im Urlaub kommt die große Kamera immer mit. Doch hauptsächlich fotografieren wir im Ausland die Landschaft, die Natur und süße Städtchen.

Foto: © dk-ferien

Deutsch oder Dänisch oder beides? Die Grenzland-Identität

Was ist eigentlich Nationalität? Wer bestimmt, was landestypisch ist, welche Sprache gesprochen wird? Normalerweise bestimmen Grenzen zumindest auf dem Papier, wo ein Landesgebiet liegt. Aber was ist, wenn es trotz der Landesgrenzen nicht eindeutig ist, zu welchem Staat man eigentlich gehört? Wenn die Sprache, die man spricht, im Grunde nicht die Landessprache darstellt, aber geschichtlich mit der Region tief verwurzelt ist? Wenn Gebräuche und Traditionen eigentümlich sind, aber nichts mit dem Land zu tun haben? Das Schleswig-Holsteinische Grenzland ist so ein Gebiet, welches heute noch eine bewegte Vergangenheit zu verarbeiten hat, die weit mehr beeinflusst als die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark.

Ein Artikel über den Spagat zwischen zwei Ländern und die Suche nach einer gemeinsamen Identität.