Schlagwort: Urlaub

dagmar_statue_1024

Dänemark – Oder: Wie komme ich zur Ruhe in zwölf Tagen

Viele Menschen zieht es in diesen Tagen in die weite Welt. Südafrika, die Malediven oder die USA sind derzeit nicht nur bei unseren Freunden und der Familie die angesagtesten Reiseziele. Doch wozu soll man unzählige Flugstunden auf sich nehmen, wenn das Schöne doch so nahe sein kann?
Schon immer hat uns der Norden Europas besonders begeistert. Das raue Klima, die salzige Seeluft und die Gelassenheit der Menschen in diesem Teil der Welt zieht uns seit jeher magisch an. Wir – ein junges Ehepaar aus dem Rhein-Main-Gebiet – versuchen der Hektik des Alltags in den entlegensten Ecken Europas zu entfliehen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unseren Urlaub 2019 bei unseren nordischen Nachbarn in Dänemark zu verbringen.

Ein Urlaub mit Rückenwind

Die Route unserer Rundreise um die Hauptinsel Jütland soll uns entlang der Westküste nach Norden bis nach Skagen, dem nördlichsten Zipfel Dänemarks, führen und im Anschluss an der Ostküste zurück wieder gen Heimat. Im Gepäck haben wir neben unserer Greyhound-Hündin Leyla natürlich auch unseren Fotoapparat sowie die Hoffnung, viele tolle und beeindruckende Orte zu entdecken.

Unseren ersten Halt legen wir in Ribe ein.
Ribe ist ein wunderschönes Städtchen in unmittelbarer Nähe zum dänischen Wattenmeer. Als eine der ältesten Städte Dänemarks ist man hier sehr stolz auf das Erbe der Wikinger, deren Spuren man an jeder Straßenecke bemerken kann. Insbesondere der alte Bootsanleger im Ortskern lässt einen daran denken, wie es sein musste, als hier vor mehr als 1000 Jahren die Drachenboote vertäut waren. Statuen und Denkmäler großer Helden, wie die der Dänen-Königin Dagmar, zeugen von der langen Geschichte des Ortes. Wer sich – so wie wir – nach Ruhe und auch einem Stück Einsamkeit sehnt, sollte unbedingt einen Abstecher auf die Gezeiteninsel Mandø einplanen. Die Insel ist nur über einen Damm bei Ebbe erreichbar. Bei Flut wird der Damm von der Nordsee verschluckt.

Ein starker und kalter Wind ist unser ständiger Begleiter auf unserem Weg nach Norden. Doch auch die Sonne lässt uns nie allzu lang warten. Wir entdecken Robben am Strand der Insel Fanø und erkunden halb versunkene Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Die Bunker, die uns noch viele Male begegnen werden, wirken beinahe surreal in der sonst so idyllischen Landschaft. Als Fotomotiv vereinen sie sowohl Bedrohlichkeit als auch Vergänglichkeit vor einer nahezu unberührten Natur.
Bei langen Spaziergängen an scheinbar endlosen Stränden auf Fanø, bei Hvide Sande oder am Leuchtturm Lyngvig Fyr lassen wir unsere Seelen vom Wind lüften und auch Leyla hat sichtlich ihren Spaß, während sie uns wieder einmal von ihren Sprinter-Qualitäten überzeugt.

Der versandete Leuchtturm Rubjerg Knude, im Vordergrund Dünen und Sand

In Dänemark gibt es wunderschöne Naturschauspiele zu bewundern, wie Rubjerg Knude eindrucksvoll beweist. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Dänemark und seine Facetten

Im Verlauf unserer Reise besichtigen wir auch eine der wenigen Whisky-Destillerien Dänemarks in Stauning. Hier lassen wir uns von der Begeisterung des Personals für den aus Roggen- und Gerstenmalz gebrannten und in liebevoller Handarbeit hergestellten Whisky anstecken.

Je weiter nördlich wir gelangen, desto frischer und kälter weht auch der Wind. Da wir bereits Ende März in Dänemark unterwegs sind, tragen wir stets unsere dicken Jacken. Die Sonne hat jedoch bereits Kraft, sodass man im Windschatten der Dünen die Temperaturen deutlich wärmer wahrnimmt. Der Wind hält uns jedoch nicht davon ab, viel Zeit in den wunderschönen Dünenlandschaften – den Klitplantagen – zu verbringen. Die kleinen Fischerorte, durch die wir auf unserer Reise fahren, wirken zwar aufgrund der Jahreszeit noch sehr verschlafen und mitunter ausgestorben, doch einige kleine Restaurants und Cafés haben bereits geöffnet und bieten Platz sich bei einem Mittagessen aufzuwärmen.
Natürlich darf auch das typisch dänische Smørrebrød nicht ausgelassen werden, welches in beinahe endlos scheinenden Kombinationen zu jeder Tageszeit angeboten wird.

Wer bis in den hohen Norden Dänemarks gelangt, wird vermutlich nicht um einen Ausflug zum Leuchtturm und der gleichnamigen Düne Rubjerg Knude herumkommen. Der Leuchtturm thront äußerst prominent inmitten von Sanddünen an der rauen Küste der Nordsee. Er wurde bereits vor einigen Jahren verlassen und dient heute nur noch als Touristenattraktion, die jedoch einen einmaligen Charme versprüht.
Hier hat uns natürlich neben der Besteigung des 23 Meter hohen Turmes, der einen fantastischen Panorama-Blick über die Dünen ermöglicht, auch eine kleine Wanderung durch eben diese beeindruckt. Abseits der großen Wege, denen alle Touristen folgen, fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Der stete Wind formt hier aus Sand teils bizarr anmutende Strukturen, die nicht nur bei Sonnenschein als wunderschöne Fotomotive dienen können.

Ein ebenso spannendes Erlebnis bietet die Wanderdüne Råbjerg Mile, bei der wir auf unserem Weg nach Skagen einen Halt einlegen. Während wir uns bei strahlendem Sonnenschein durch den feinen, weißen Sand der hohen Dünen kämpften, warten wir nur darauf, dass plötzlich eine Kamel-Karawane unseren Weg kreuzen würde. Der eisige Märzwind bläst diese Gedanken doch genauso schnell wieder fort, wie sie gekommen waren.

Küste in Dänemark mit Meer und Wellen

Selbst Dänemarks teilweise schroffe Küsten punkten mit einer einmalig schönen Landschaft. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Von Dünensand bis Fjordgewässer

Als wir schließlich die nördlichste Spitze Dänemarks, die sandige Landzunge Grenen in der Nähe von Skagen, erreichen, bietet sich uns ein atemberaubender Anblick. An diesem besonderen Ort treffen die rauen Wellen der Nordsee – dem Skagerrak – auf die deutlich gemäßigtere Ostsee – dem Kattegat. Man erkennt deutlich die unterschiedliche Färbung der beiden Meere, die sich hier zwischen Dänemark und Schweden vereinen und aufgrund der starken Strömungen zu den gefährlichsten Gewässern Nordeuropas zählen. Wir treffen bei unserem Spaziergang auf eine kleine Robbe, die uns ganz entspannt grüßt und ihre Aufmerksamkeit danach wieder dem Sonnenbad widmet.

Der weitere Weg führt uns nun entlang der Ostküste in Richtung Deutschland zurück. Hier merkt man deutlich den geringeren Einfluss der rauen und stürmischen Nordsee. Alles wirkt hier etwas gemäßigter. Selbst die Uhren scheinen noch einmal ein Stück langsamer zu gehen.
Der Osten des Landes ist geprägt von weitläufigen Schilflandschaften, die sich mit großen, flachen Stränden abwechseln. Die ausgedehnten Dünenlandschaften des Westens weichen hier den tief ins Landesinnere reichenden Fjorden, die das Landschaftsbild insgesamt deutlich ruhiger erscheinen lassen.

Fischerboot im Sonnenuntergang am Strand in Dänemark

Fischerboote am Strand gehören in Dänemark einfach dazu. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Mehr Hygge gibt es nirgendwo

Im kleinen Fischerörtchen Bønnerup legen wir einen Halt ein und erkunden den Hafen. Den maritimen Charme solche Orte abseits der großen Hauptstraßen haben wir bereits im gesamten Verlauf der Reise zu schätzen gelernt. Kleine Fischerboote, die vor den Wellen und dem Wind geschützt im Hafen liegen, Netze, Reusen und allerlei sonstige Fischerutensilien findet man hier zu Hauf. Kleine Geschäfte, in denen man frischen und geräucherten Fisch kaufen kann, ebenso. Nicht nur einmal fand ein leckeres Stück Räucher-Lachs oder auch die sehr schmackhafte Rotzunge ihren Weg auf unseren Teller.

Den Abschluss unserer Reise bildet eine Besichtigung des Wikinger-Museums in Jelling sowie ein Besuch des angrenzenden historischen Geländes. Vor vielen Jahrhunderten wurden hier der erste König Dänemarks Harald Blauzahn sowie sein Vater Gorm der Alte beerdigt. Zwei gigantische Grabhügel, die man heute noch besteigen kann, befinden sich inmitten eines großflächig angelegten Areals, das einst mit riesigen Eichen-Palisaden umzäunt war. Von den Palisaden sowie dem Verlauf des Walls zeugen heute nur noch Säulen aus weißem Beton. Inmitten der Anlage befand sich zudem eine der größten Schiffssetzungen Europas, die mit ihren 350 Metern länger als der Eiffelturm in Paris hoch ist. Weiße, in den Boden eingelassene Betonplatten, die in ihrer Form den Rumpf eines Schiffes beschreiben, erinnern an die alte Beerdigungstradition der Nordmänner. Die gigantischen Ausmaße der Anlage kann man erst auf einer der Spitzen der Grabhügel wahrnehmen.
Doch auch das Museum hält viele Überraschungen und besondere Artefakte aus der Zeit von Harald Blauzahn bereit. Insbesondere die Beschreibungen der Mythen und Legenden sowie die Darstellungen zur Lebensweise der Wikinger haben uns nachhaltig beeindruckt.

Schatten von Hund und Menschen am Strand in Dänemark

Gemeinsam eine entspannte Zeit zu erleben, das geht in Dänemark ganz hervorragend. – Grafik: © Miriam Castle-Weiss, www.one-glimpse.com

Fazit:

Fragt man uns heute, was von 12 Tagen Dänemark bleibt, fällt die Antwort darauf nicht schwer. Neben vielen unvergesslichen Eindrücken und Momenten, die wir in unserem Koffer mit nach Hause bringen und im Herzen behalten werden, bleibt vor allem ein Gefühl der inneren Ruhe zurück. Die Dänen nutzen hierfür das Wort hygge, für welches sich im deutschen keine passende Übersetzungen finden lässt. Vermutlich muss man Dänemark erlebt haben, um die Bedeutung zu verstehen.
Alles in Dänemark wirkt auf uns entspannter, gemütlicher und gelassener. Sicher trägt auch die frühe Jahreszeit ihren Teil dazu bei, dass das Land noch an vielen Stellen nicht vollständig aus seinem Winterschlaf erwacht zu sein scheint. Wir sind jedoch überzeugt, dass man auch in der Hauptsaison im Sommer Ecken finden kann, an denen es hygge ist.

Dänemark hat sich uns von einer zwar sehr rauen und stürmischen aber gleichzeitig unglaublich vielseitigen und wunderschönen Seite gezeigt. Surreal anmutende Bunker inmitten endloser Dünen, beeindruckende Küstenlinien, die unter dem ständigen Einfluss der rauen See einem steten Wandel in Form und Struktur unterworfen sind sowie unzählige wunderschöne Leuchttürme machen Dänemark nicht nur für Naturliebhaber und Fotografen zu einem El Dorado, sondern auch für all jene, die – wie wir – Abwechslung vom Alltag und ein bisschen Ruhe suchen.
Wieder einmal wurden wir in unserer Ansicht bekräftigt, dass man nicht in die ferne Welt ziehen muss, um das Besondere zu erleben. Manchmal kann Schönes so nah sein.

Eines Tages werden wir sicher wiederkommen…

 

Autorenfoto von Fotografin Miriam Castle-Weiss, Inhaberin von one-glimpse.comZur Autorin: Wir sind Miriam und Alexander, die gemeinsam mit unserer Greyhound-Hündin Leyla zwei Wochen lang Dänemark erkundet haben. Wir lieben die Natur, die Ruhe und Gelassenheit der nordischen Länder sowie lange Spaziergänge am Meer. Im Urlaub erholen wir uns vom Alltagsstress und können einfach die Seele baumeln lassen. Gutes regionales Essen ist uns im Urlaub ebenfalls wichtig. Da wir stets Ferienwohnungen mit einer Küche buchen, können wir abends unsere Einkäufe selbst zubereiten.

Als Familien-Fotografin bei one-glimpse.com habe ich außerdem zusammen mit dk-ferien zwei Shootings vor der traumhaften Kulisse von Dänemarks Küste organisiert. Denn auch im Urlaub kommt die große Kamera immer mit. Doch hauptsächlich fotografieren wir im Ausland die Landschaft, die Natur und süße Städtchen.

annikatoth_robbe

Vom Pferdemädchen zur Robbenflüsterin

Oder besser die Geschichte von einer Regenwurmaufsammlerin zu einer Meeresbiologin. Schon als kleines Kind war ich von Tieren besessen. Ich wollte alles über sie wissen und lag meinen Eltern, leider vergebens, jahrelang in den Ohren, dass ich unbedingt ein Haustier haben wolle. Alles, was so kreucht und fleucht, wurde von mir unter die Lupe genommen und erst wieder ausgesetzt, wenn Mama es wirklich nicht mehr in der Wohnung sehen wollte. Zurückblickend kann ich sagen, dass genau dieses abweisende Verhalten meiner Eltern mich dazu gebracht hat, Tiere als das Nonplusultra zu sehen.

Das Glück der Erde und der Tierarzt-Traum

Nachdem ich aus dem Schnecken- und Regenwurm-Alter heraus war, wurde ich wie knapp 99 Prozent aller Mädchen ein Pferdenarr. Das weinerliche Nachfragen nach Haustieren hatte ich zu dieser Zeit erst einmal beiseitegelegt. Aber was nicht Zuhause wohnen darf, kann man doch wenigstens woanders lieb haben. Im Großen und Ganzen hieß das für mich 7 Jahre wöchentlicher Reitunterricht.

Passend zu meiner Passion für Tiere wollte ich natürlich… Tierärztin werden. Nach harten Jahren an den Schulen, und das teilweise sogar mit Bestnoten im Jahrgang, hatte mich die Realität nach dem Abitur leider eingeholt und ein Veterinäramtsstudium war mir leider nicht vergönnt. Nach Jahren mit der festgesetzten Vorstellung vom Traumberuf geriet ich für kurze 5 Minuten in Panik und wusste nicht mehr, was ich mit meinem Leben anstellen soll…. Ich und keine Tierärztin…. unmöglich. Aber naja, die Panik hatte sich gelegt und ich wurde an 8 Universitäten für das Biologiestudium angenommen. Nach einigem Hin und Her habe ich mich für die Universität zu Köln entschieden. Ein nagelneu errichtetes Biozentrum konnte doch nicht allzu verkehrt sein, oder?!

Blauer Himmel, Strand und Meer; hier müsste man Robbe sein! – Foto: © Annika Toth

Blauer Himmel, Strand und Meer; hier müsste man Robbe sein! – Foto: © Annika Toth

Ohne Fleiß kein Preis, aber die Mühe lohnt sich

Die 6 Semester waren eine laaaange und holprige Achterbahnfahrt der Gefühle. Viele nette Menschen kennengelernt, viel Interessantes erlebt und erlernt, aber es gab auch die Momente, und mit Momenten meine ich jegliche Form von Chemie (Organische Chemie, Anorganische Chemie und Biochemie) und Physik, da wollte ich mein Studium einfach nur noch hinschmeißen und einen „vernünftigen“ Beruf erlernen. Naja, ohne Tiefen kann es kein Hoch geben. Also Krone richten und weitermachen.

Kurz vor dem Ende meines Bachelorstudiums musste ich mir darüber klar werden, wie es für mich weitergehen sollte… Einen Beruf einschlagen oder weiterstudieren? Wenn man sich einmal an den Stress eines Studiums gewöhnt hat, mag man ihn irgendwo auch nicht mehr missen. Also stand die Entscheidung fest, ein Masterstudium musste her.

Nach 23 erfolgreich überstandenen Jahren meines Lebens kommt nun der Punkt, warum ich überhaupt diesen Blog-Beitrag schreiben darf. Aber bevor ich mit dem „Wieso Weshalb Warum“ anfange, muss ich einen kleinen Umweg über Italien gehen und wieder einmal meinen Eltern die Schuld in die Schuhe schieben.

Der respektvolle Umgang mit Robben sollte schon den kleinsten Erdenbürgern beigebracht werden. – Foto: © Annika Toth

Der respektvolle Umgang mit Robben sollte schon den kleinsten Erdenbürgern beigebracht werden. – Foto: © Annika Toth

Was Schnorcheln in Italien mit Dänemark zu tun hat

Als Ruhrpottkind wurde jeglicher Urlaub im wunderschönen Sauerland, genauer gesagt in Winterberg, verbracht. Wie der Name schon sagt, ist es so ungefähr das genaue Gegenteil von Meer, Strand und Meeresrauschen. Um diese Meeres-Defizite auszugleichen, war ich schon immer eine kleine Wasserratte und fühlte mich umgeben von Wasser am wohlsten. Ein Jahr vor meinem Uni-Abschluss entschied ich mich also, für 2 Monate nach Italien zu gehen und dort im Institut für marine Biologie ein bisschen Meeresbiologen-Luft zu schnuppern. Nach unzähligen Schnorchel- und Tauchtouren sowie dem Unterrichten in Meeresbiologie war ein weiterer Meilenstein gelegt und ich wusste, worauf ich mich später spezialisieren möchte.

Nun kommen wir zum eigentlichen Thema, nämlich „Dänemark“. Nach einigen unvergesslichen Urlauben im gelobten Land war diese eine Entscheidung leicht gefallen.  Was ein bisschen als Schnapsidee anfing, endete damit, dass ich mein weiterführendes Studium in Dänemark fortführen würde. Genauer gesagt an der „Syddansk Universitet“ in Odense. Viele Leute träumen vom Auswandern und ich stand nun vor der größten Entscheidung meines jungen Lebens. Auswandern??? Ich??? Ja gut, Zähne zusammenbeißen und ab nach Dänemark.

Eine Robbe gibt Trainerin einen Kuss auf die Nase

Kaum zu glauben, aber auch hinter diesem liebevollen Robbenkuss steckt jahrelanges Training. – Foto: © Annika Toth

Kulleraugen machen noch lange kein Kuscheltier

Jetzt sind es schon 600 Wörter und das Wort „Robbe“ taucht noch kein einziges Mal auf. Vielleicht war es nur ein Tippfehler und ich meinte Doggenflüsterin? Nein, absolut nicht! Mit der Entscheidung, ein neues Leben in Dänemark anzufangen, hat sich meine Passion für Tiere auf ein neues Level gesteigert. Als ehrenamtliche Helferin durfte ich zwei Jahre lang an der Seite von tollen Wissenschaftlern unsere zwei männlichen Kegelrobben, Nino und Oskar, betüddeln, pflegen und trainieren. Wer träumt nicht davon, diesen kuscheligen Riesen mit den großen Kulleraugen näherzukommen? Ganz genau… Jeder!

Hier kommen wir an einen Punkt, der mir ganz besonders wichtig ist. Robben sehen wirklich entzückend aus. Aber das ist auch meist das Einzige, was sie mit unseren geliebten Tiere Zuhause gemeinsam haben. Das auf dem Bauch rutschende Kindchenschema kann nämlich auch ganz andere Saiten aufziehen. Zwar in Zoos geboren, verlieren solche Tiere nie ihren Ursprung und bleiben, trotz aller Niedlichkeit, wilde Tiere. Mit viel Training, Liebe und Hingabe werden aus ihnen tolle Arbeitskollegen, allerdings nie Kuscheltiere. Obwohl beide in Gefangenschaft geboren wurden, können sie es nicht leiden, angefasst zu werden. Den Umgang, den wir mit ihnen haben, basiert auf jahrelangem Training und gegenseitigem Vertrauen. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Doofer Spruch, aber in den zwei Jahren, in denen ich mit den Jungs arbeiten durfte, habe ich ihnen nicht ein einziges Mal den Rücken zugedreht. Vielleicht gibt dieser Umstand dem einen oder anderen eine Idee, wie es mit wilden Tieren zugehen kann.

annika_toth_autorenfoto_202Zur Autorin: Mit der Liebe zu Tieren fing alles an. Nun lebt und arbeitet die Meeresbiologin Annika Toth aus Dortmund, geb. 1991, in Dänemark.

 

Ferienhäuser auf Rømø in der Marsch.

Mit Miss Sophie unter der Dannebrog: Silvester in Dänemark

Es ist ja jedes Jahr eigentlich immer wieder das gleiche Problem: Weihnachten und der Jahreswechsel kommen „urplötzlich“ und ehe man es sich versieht, steht man unvorbereitet da. Während sich die Festtage aber noch recht leicht regeln lassen, da diese ja zumeist im Kreise der Familie begangen werden, sieht es mit Silvester schon ein wenig anders aus. „Was hast du denn so geplant?“, kommt die Frage spätestens Ende November bei Treffen mit Freunden und Arbeitskollegen auf den Tisch und ich habe mich in den letzten Jahren stets erfolgreich aus der beginnenden Jahreswechsel-Diskussion herausgewunden. „Ach, das entscheide ich ganz spontan. Es gibt ja immer genügend Möglichkeiten, wo man hingehen kann.“

Das ist doch wirklich ein Phänomen, dass man jährlich immer wieder vor dieser Situation steht. Dabei habe ich eine liebe Familie, tolle Freunde und wie gesagt, es gibt seit einigen Jahren ja auch richtig großangelegte Silvester-Partys, auf denen gemeinsam mit anderen Feierwütigen in das neue Jahr gestartet werden kann. Das hatte ich natürlich auch schon mal mitgemacht und so langsam kam mir der Gedanke, dass ich mich wohl einfach zu einem Jahreswechsel-Muffel entwickelte.

Doch nachdem ich durch meine Radurlaube, von denen ich ja auch schon in meinem Beitrag über die Margeritenroute berichtete, einige sehr unternehmungslustige Leute kennenlernen durfte, war es tatsächlich vor einigen Jahren soweit. Ich bekam eines tristen Januarabends einen Anruf von meiner Bekannten Kerstin, die mich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten schon einmal beim Radeln durch die Landschaft an der Schlei begleitet hatte. „Henrik, wir haben eine ganz großartige Idee! Wir mieten uns für Silvester ein Ferienhaus in Dänemark und du bist mit dabei. Gemeinsam feiern, einfach abschalten und eine tolle Zeit haben. Das wird klasse!“ Was hätte ich da noch sagen sollen?

Drum prüfe, wer den Urlaub plant…

Nach diesem doch recht einseitig geführten Gespräch mit klarer Entscheidung wurde ich direkt am nächsten Tag in eine WhatsApp-Gruppe mit dem klingenden Namen „Silvester in DK“ hinzugefügt und wusste noch nicht so recht, ob ich mit der mir abgenommenen Entscheidung, den Jahreswechsel mit wem auch immer zu verbringen, wirklich gefiel. Denn bis jetzt hatte ich ja nur die Info von Kerstin und ihrem Freund Jens als Teilnehmer.

Als ich mir aber die Mitgliederliste der Gruppe durchlas, stellte ich erleichtert fest, dass ich noch drei weitere Leute von früheren Radurlauben kannte. Das beruhigte mich ziemlich, denn da wir insgesamt 10 Teilnehmer bei der Silvesterreise waren, war mir die Mehrzahl schon mal nicht unbekannt. Im Verlauf des inzwischen recht regen Chats fand ich heraus, dass noch 2 weitere Pärchen mitfahren wollten und die Nachrichten von ihnen klangen zumindest schon mal sympathisch. Vielleicht war Kerstins Idee also doch gar nicht so schlecht gewesen.

Was mich nach einigen Tagen jedoch wirklich auf die Palme brachte, war der absolut chaotische Chatverlauf. Bereits am ersten Tag sollte jeder seinen Wunsch äußern, wo genau in Dänemark wir denn gerne das neue Jahr begrüßen wollten und allein diese Frage zog gefühlte 1000 Mitteilungen nach sich. Ich verhielt mich von Anfang diplomatisch, warf zwar Südjütland und Seeland in die Runde, betonte aber direkt, dass ich mit jeder Entscheidung leben könnte. Die anderen nahmen meine pflegeleichte Haltung zur Kenntnis, allerdings folgte keiner meinem Beispiel. Leider. Denn so explodierte der Chat regelrecht unter der Last von ständigem Getippe und nach 3 Tagen ohne konkrete Entscheidung stand ich kurz davor, die Gruppe einfach wieder zu verlassen.

Eine glückliche Fügung stimmte schließlich jedoch alle milde und das Rennen machten die Inseln Rømø und Alsen. Die Grenznähe zog als bestes Argument und ich atmete erleichtert auf. Kerstin wollte auch die Suche nach einem passenden Ferienhaus übernehmen und uns die möglichen Kandidaten anschließend im Chat präsentieren. Nur kurz angerissen: auch hier entstand ein unglaubliches Chaos, welches teilweise sogar in leicht wütenden Nachrichten gipfelte. Meine Freude, als endlich ein nettes Ferienobjekt auf Rømø gefunden war, konnte ich daher nicht in Worte fassen.

Ansicht Himmel und Bäume in rosarotem Licht

Manchmal verläuft die Silvesterplanung zu Beginn leider nicht so rosig wie der Himmel sich hier präsentiert. – Foto: © Henrik R.

The same procedure as every year? Nicht ganz!

Als das Ferienhaus auf Rømø verbindlich gebucht war und jeder seinen finanziellen Anteil dafür geleistet hatte, fing ich sogleich mit dem Recherchieren an. Wie feiern die Dänen denn eigentlich Silvester? In unserer Gruppe schrieben wir fleißig, dass wir unbedingt auch ein paar dänische Gepflogenheiten mit einbinden wollten. Ich liebe es, mich über Bräuche und Traditionen zu informieren und stellte mich von daher nur zu gerne zur Verfügung, um ein paar Sachen herauszusuchen, die wir an Silvester machen konnten.

Während ich alles über Silvestertraditionen in Dänemark las, was mir unter die Augen kam, stolperte ich auch über das Thema Feuerwerk. Dass die Einfuhr von ausländischen Knallern strengstens verboten ist, wusste ich bereits und ich fragte direkt in unserem Chat, ob wir denn überhaupt was zum Böllern in Dänemark kaufen wollten. Die meisten von uns konnten sehr gut auf Raketen und Co. verzichten und als ich auch noch herausfand, dass Feuerwerk auf Rømø auf Grund der vielen Reetdachhäuser strengstens verboten ist (es wird am Strand lediglich geduldet, weil sich viele einfach doch nicht daran halten), war die Entscheidung für uns klar.

Menschen mit Schatten am Strand.

Auch gemeinsame Erlebnisse werfen ihre Schatten voraus. – Foto: © Henrik R.

In Dänemark gibt es an Silvester was auf die Glocke

Wir kamen zwei Tage vor dem Jahreswechsel in Dänemark an und jeglicher Alltagsstress (vielleicht auch noch ein wenig vom straffen Programm der Weihnachtstage) fiel von mir ab. Das ist allerdings ein Phänomen, was ich jedes Mal an mir beobachte, sobald ich die Grenze zum Königreich überquert habe. Nach dem Auspacken, dem ausgiebigen Testen von der Sauna und dem in Dänemark zum Glück total entspannten Einkaufen war es schließlich auch schon soweit. Gemeinsam stand ich mit Jens und Dirk, einem Herren von den zwei „neuen“ Pärchen, am Silvestertag in der Küche und bereitete unsere Fischplatten für den Abend vor. Außerdem hatte ich noch Kransekagestænger, also Kranzkuchenstangen, im Supermarkt erstanden, weil mir die bei meiner Recherche über traditionelle dänische Silvesteressen in diversen Foren empfohlen wurden.

Um Punkt 18 Uhr machten wir es uns schließlich um den Esstisch herum gemütlich und während wir uns all die maritimen Leckereien schmecken ließen, lauschten wir nebenbei der traditionellen Ansprache von Königin Margrethe II. im Fernsehen. Meine Dänischkenntnisse sind ja leider nicht die besten, aber ein paar Sachen verstand ich wenigstens und wir wollten schließlich so viele typisch dänische Gepflogenheiten zu Silvester mitmachen wie nur möglich. Und so wurde nach unseren leckeren Fischspeisen als Verteiler auch erst einmal ein Gläschen „Gammeldansk“ zu sich genommen. Das ist der dänische Nationalschnaps und in meinen Augen mindestens zehnmal härter als der deutsche Jägermeister. Der Stimmung tat das aber keinerlei Abbruch und der Anblick einiger verzerrter Gesichter beim Trinken war wirklich köstlich.

Wir vertrieben uns die Zeit bis Mitternacht mit Biertrinken, einer Runde mehr als wackligem Twister, Bleigießen (das Set dafür haben wir zum Glück von Zuhause mitgebracht, denn in Dänemark ist diese Form von Weissagung eher unbekannt) und natürlich mit dem altbewährten „Dinner for One“, das auch für die Dänen am Silvesterabend nicht fehlen darf. Direkt im Anschluss an den Kult-Sketch läutete schließlich das Glockenschlagen der Kopenhagener Rathaus-Uhr das neue Jahr um Punkt 24 Uhr ein und ein wirklich wunderschönes Feuerwerk über der Hauptstadt verstärkte die feierliche Stimmung noch. Ungefähr zehn Minuten später gingen wir dann auch noch nach draußen und blickten in den klaren Nachthimmel, dem ersten im neuen Jahr. Tatsächlich waren vereinzelt doch ein paar Böller zu hören, aber dennoch konnte jeder ungestört seinen Gedanken zu Vorsätzen und Wünschen nachhängen.

Fischauslage in einem Fischladen auf Rømø.

Fisch geht in Dänemark immer – und ist somit auch als Silvesteressen total beliebt. – Foto: © Henrik R.

Auf einer frischen Brise ins neue Jahr

Am Neujahrsmorgen pfiff bereits ein ziemlich scharfer Wind ums Ferienhaus und wir beschlossen am Frühstückstisch, dass wir noch ein klein wenig mit unserem Spaziergang zum Strand warteten. Einige von uns hatten eh noch mit den nicht zu unterschätzenden Nachwirkungen vom „Gammeldansk“ zu tun und beim Anblick zweier verkaterter Gestalten in der Sofaecke war ich wirklich heilfroh, dass ich nach einem Gläschen bereits wieder zu Bier übergegangen war. Dass ich durch meine nüchterne Erscheinung fast alleine den Tisch abräumen durfte, nahm ich da nur zu gerne in Kauf.

Nach einem kleinen Snack zum Mittag ging es den meisten von uns endlich wieder halbwegs gut und auch wenn der Wind nicht abgenommen hatte, machten wir uns dick eingepackt auf den Weg hinunter zum Strand. Die frische Luft tat nicht nur mir gut und während wir uns durch den Wind kämpften, wurden die Gespräche zunehmend ausgelassener. Besonders über den Silvesterabend wurde fröhlich gesprochen, die skurrilen Tanzeinlagen im Gedächtnis sorgten für ordentliche Lacher und als wir schließlich am Strand ankamen, hätten wir direkt noch einmal ins neue Jahr feiern können.

Eine Flasche Sekt fand sich auf seltsame Weise in einem der Rucksäcke und gemeinsam stellten wir uns auf, ließen die Flasche kreisen und wünschten uns noch einmal ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr. Der Sekt war schnell getrunken und anschließend sammelten wir Steine und Muscheln und legten einige Motive in den Sand. Zwischendurch blickte ich immer wieder zur tosenden Nordsee und dachte darüber nach, was ich in diesem Jahr alles schaffen und was ich auch ändern wollte. Die frische Brise tat meinen Gedanken dabei wirklich gut und beschwingt ging es auf den Rückweg.

Abends kochten wir noch einmal zusammen, ließen die Seele baumeln und machten uns dann schon einmal ein wenig ans Aufräumen. Morgen ging es wieder Richtung Heimat und während ich das Geschirr einräumte, war ich tatsächlich ein wenig wehmütig. Die letzten Tage waren wie im Flug vergangen und ich hätte gerne noch Zeit mit der Gruppe verbracht. Und als wir uns am nächsten Morgen auf den Nachhauseweg machten, saßen wir alle mit einem lachenden und einem weinenden Auge im Auto.

Fisch am Strand gelegt aus Steinen.

Unser „Steinfisch“ am Strand ist eine Hommage an die dänische Fischertradition. – Foto: © Henrik R.

Was habe ich mitgenommen?

Der Weg zum entspannten Silvesterurlaub war tatsächlich ein wenig holprig, was überwiegend wirklich an der Planung lag. Und das ist schon komisch, denn die Mehrzahl von uns ist ja ständig mit seinem Rad im Urlaub und koordiniert dabei feste und spontane Routen sowie das gemeinsame Radeln mit Gleichgesinnten. Wahrscheinlich lag es schlicht und ergreifend daran, dass es sich um Silvester handelte. Und da möchte wohl jeder eine tolle Zeit verbringen, hat also dementsprechend hohe Erwartungen.

Die fünf Tage, die ich dann mit alten und neuen Bekannten verbringen durfte, haben aber wirklich für all das Chaos entschädigt und ich hatte mächtig Spaß. Gemeinsam zu kochen und Spaziergänge an dem brausenden Meer zu unternehmen, tolle Gespräche und lustige Spieleabende zu veranstalten, bildete ein wahrlich abwechslungsreiches Programm. Interessant war auch, dass Dänemark trotz der Nähe zu Deutschland teilweise ganz andere Bräuche zum Jahreswechsel hat. Das Bleigießen haben wir ja aber trotzdem gemacht und uns über die Ergebnisse kaputtgelacht.

Mein Fazit lautet von daher, dass ich so einen gemeinsamen Silvesterurlaub auf jeden Fall noch einmal mitmachen würde. Gerne dann auch wieder in Dänemark, denn das kleine Königreich präsentiert sich auch zum Jahreswechsel so freundlich und entspannt wie den Rest des Jahres. Allerdings würde ich mir beim nächsten Mal eine straffere Organisation bei der Vorbereitung wünschen, aber ich bin mir sicher, dass wir alle aus den Erfahrungen gelernt haben. Und wer weiß, vielleicht schleift sich diese Reise ja so bei uns ein, dass es irgendwann heißt „The same procedure as every year“ – zu Silvester nach Dänemark.

fotogast_rad_margueritrutenZum Autor: Ich bin Henrik R., ein inzwischen passionierter Radurlauber, der in zahlreichen Urlauben sein Herz definitiv an Dänemark verloren hat. Auf meinem Mountainbike habe ich schon ganz unterschiedliche Regionen durchfahren und dabei das Land und seine Leute absolut liebgewonnen.