Kuriose Kochkunst in Dänemark

Im Kromann Restaurant in Sønderho mit vielen Teddybären.

Die Dänen gehen nur selten essen – und wenn sie es tun, dann passiert das bereits am frühen Abend. Da ist der rechtzeitige Feierabend gegen 16 oder 17 Uhr natürlich ein Segen. Schon um 18 Uhr hat man von daher das Gefühl, die kleinen Ortschaften abseits der Touristenzentren seien wie ausgestorben. Wenn man dann allerdings einen Blick in die nie mit Vorhängen oder Rollläden zugezogenen Fenster wirft, dann kann man dänische Familien am Esstisch sitzen sehen. Essen ist also eher Privatsache in Dänemark. Es sei denn, es stehen Familienfeiern an – dann wird gern ein ganzes Landgasthaus für den 80ten Geburtstag von Tante Olsen reserviert.

Da sich also vieles rund ums Speisen entweder in den eigenen vier Wänden abspielt oder sehr zeitig am Abend in öffentlichen Räumen, sind wir tatsächlich schon des Öfteren wieder weggeschickt worden, als wir nach 20 Uhr fragten, ob die Küche wohl noch auf hat. Diese Uhrzeit wird in Dänemark mancherorts bereits als Sperrstunde angesehen. Einmal hat man uns daher am Katzentisch platziert und vorerst ignoriert, sodass wir geschlagene 45 Minuten aufs Essen warten mussten, obwohl alle Gäste schon fertig waren und die Küche nichts mehr zu tun hatte. Die Pizza Margherita und der fuselige Rotwein waren dann zu allem Überfluss noch nicht mal billig und auch nicht lecker.

Aber es gibt ja immer zwei Seiten einer Medaille und natürlich hat auch Dänemark einige kulinarische Schmuckstücke zu bieten. So besuchten wir einmal ein riesengroßes Steakhouse in der Kleinstadt und waren um 20 Uhr fast die einzigen Gäste. Die Steaks waren großartig und das junge Servicepersonal bediente uns freundlich, obwohl es bereits auf Feierabend eingestellt war. Das war wirklich ein Beispiel für großartige Küche in Dänemark.

Dieser Artikel beschreibt eine persönliche Essenstour durch das nordische Königreich. Velbekomme!

Fisch und Fang im Wikingerland

Holms Rogeri & Restaurant auf Rømø

„Immer einen Besuch wert“, schreibt Familie Holms in ihrem Prospekt über ihr Fischrestaurant mit Räucherei und Shop. Das kann man auch bedenkenlos unterschreiben. Denn der Fisch ist immer frisch und sehr lecker! Holms Rogeri & Restaurant von Jørgen und Marianne Holms gilt seit Jahren auf Rømø als Geheimtipp. Herr Holms ist immer zu Scherzen aufgelegt und sagte mal zu uns „Ich bin nicht der Chef hier, das ist meine Frau“! Ob man auf der kleinen Insel Urlaub macht oder nur auf der Durchreise von Sylt ist: Ein Besuch lohnt sich immer! Geräucherte Fische aus eigener Räucherei, selbst die Krabben gibt es geräuchert, plus Schalentiere aller Art wie z.B. Hummer, und natürlich auch Austern. Von Frühling bis Herbst gibt es das beliebte Fischbuffet im Restaurant am Freitag und Sonntag zwischen 18:00 und 21:00 Uhr, da ist eine Reservierung tatsächlich anzuraten.

Baring Fisk auf Fünen

Baring Fisk ist leider abgebrannt. Das ist sehr tragisch für die Besitzer und es war eine super Räucherei. Vielleicht wird das Unternehmen ja eines Tages wieder aufgebaut, das würde uns sehr freuen.

Klausens Fisk in Lökken

Eigentlich war bei Klausens Fisk schon Feierabend, als wir dort ankamen. Trotzdem konnten wir noch eine super Fischplatte ergattern, zu der wir auch noch Gabeln mitbekommen haben. So konnten wir gleich im Auto speisen und hatten sogar beim Frühstück noch etwas davon, so viel frischen Fisch haben wir mitnehmen können.

Fiskehuset Thomas Hansen in Gilleleje

In Gilleleje, im Norden von Seeland, liegt das Fiskehuset von Thomas Hansen. Was für einen tollen Räucherfisch im Angebot es dort gibt! Frischer geht es zudem wirklich nicht, denn der Hafen liegt direkt vor der Tür und die eigene Räucherei verarbeitet den frischen Fisch sofort. Unsere Wegzehrung war also auch hier gesichert.

Fischgeschäft Fiskehuset Thomas Hansen in Gilleleje, Ansicht des Ladens.

Schon vor dem Fischgeschäft „Fiskehuset“ von Thomas Hansen in Gilleleje ist uns das Wasser im Munde zusammengelaufen. – Foto: © Peter Bischoff

Schnelles Essen und Ciao Pizza!

Tannhäuser Pizza Burger und Grillbar in Marielyst

In Marielyst ist an dieser Adresse die Pizza absolut empfehlenswert. Der Name mag für dänische Verhältnisse komisch klingen, dafür ist der Service umso netter. Das Restaurant ist unscheinbar, aber die Pizza ist unschlagbar und der Preis vernünftig. Hier kann die Bestellung auch auf Deutsch erfolgen, wie wohl in allen Ferienhausgebieten Dänemarks. Und Marielyst hat schließlich ungefähr 5000 Ferienhäuser! Als kleine Anekdote dazu, die ich einmal hörte: ein deutscher Tourist hat wohl auf die Anreisebeschreibung der Ferienhausagentur mit den Worten verzichtet: „Das Ferienhaus werde ich ja auch so finden“.  Das hat natürlich nicht geklappt. Ganz verzweifelt stand er im größten Ferienhausgebiet Dänemarks und musste die Notfallnummer der Ferienhausagentur wählen.

Überall in Dänemark

Im gesamten Königreich gibt es, wie wir es auch aus Deutschland kennen, an fast allen Stellen Take-aways für Burger, Sandwiches usw., was einem die schnelle Essensbeschaffung sehr leicht macht. Die meisten Anlaufstellen sind absolut okay, und auf die dänischen Pølser-Buden ist sowieso Verlass. So waren wir einmal in Dänemark unterwegs, kannten uns nicht aus und landeten in einem Pizzaservice mit Laden. Da wir wirklich Hunger hatten, nahmen wir an einem der beiden kleinen Tische Platz und bestellten Pizza. Das Ergebnis: günstig und gut!

Als wir einmal in Hvide Sande waren, sind wir schnell an einen Tresen gegangen und haben uns etwas bestellt. Die Sonne schien und neben uns saß ein lustiges Pärchen mit einem großen Hund. Er war das Format „Popeye“ und sie kam auch nicht gerade schmächtig daher. Das verwunderte nicht, denn schließlich trafen sich an der nächsten Straßenecke in einer Bar etliche Motorradtypen. Begegnungen machen das Leben erst spannend!

Burgerimbiss in Maribo

Am Dom von Maribo haben wir die wohl besten Burger des Ortes bestellt, die uns mit triefender Soße serviert wurden. Wir haben sie auf einer Friedhofsbank verspeist… Und die öffentliche Toilette am Platz wurde definitiv wichtig zum Händewaschen.

Ansicht Grillimbiss in Skive, Regenwetter.

Natürlich gibt es auch überall in Dänemark die altbekannten Grillimbisse wie hier in Skive; manchmal leider mit Schmuddelwetter inklusive. – Foto: © Peter Bischoff

Warme Restaurants und eiskalte Cafés

Restaurant Under Broen in Hvide Sande

In diesem Restaurant im Hafen von Hvide Sande sind wir per Zufall gelandet, weil die Küche des Restaurants auf der anderen Seite des Hafens, in das wir eigentlich gehen wollten, um 20.30 Uhr bereits geschlossen hatte. In dem Restaurant „Under Broen“ gibt es einen fantastischen Blick auf den Hafen gratis dazu, denn die Speisestätte liegt im 1. Stock. Hinzu kommen ein nettes Personal und eine gute sowie reichliche Küche, die für dänische Verhältnisse recht erschwinglich ist. Die Vorspeise hätte ich mir bei unserem Besuch wirklich sparen können, denn das Hauptgericht (Lachs mit Pasta) war ziemlich üppig. Und als wir gut gesättigt bezahlten konnten wir hören, wie das Personal gerade Deutschunterricht vom deutschen Koch bekam.

Restaurant Colosseum in Sønderborg

Am besten genießt man den Restaurantbesuch auf der Terrasse, denn durch die Lage direkt am Hafen kann der Blick auf all die kleinen Segelboote genossen werden, die nicht selten aus Deutschland angereist sind. Die Bedienung ist auch hier sehr jung, zumeist Schüler und Studenten. Das ist in Dänemark fast in jedem Lokal und Supermarkt so und dient der Aufbesserung des Taschengeldes. Auch hier war das Personal sehr nett und sprach zudem Deutsch beim Servieren der dänischen Hausmannskost, die auf Grund des günstigen Preises auch bei jungen Leuten beliebt ist. Ich hatte ein Smørrebrød, wirklich sehr lecker!

Restaurant Søborg in Løkken

Die Fischplatte, die wir in dem schicken Restaurant bestellten, war riesig und schmeckte bestens. Der Wein und der Aalborger ebenso. Der Service war ebenfalls gut, nur der WC-Bereich passte meiner Meinung nach nicht ganz zum modernen Ambiente des Restaurants.

Café Klint in Vordingborg

Für mich ist Eiscreme keine dänische Spezialität, die zudem noch doppelt so teuer wie in Deutschland ist. Leider mag ich auch kein Softeis… Und so war auch dieser Eisbecher im Süden von Seeland zum großen Bedauern eine Enttäuschung für mich. Aber der Kaffee war okay und draußen in der Sonne zu sitzen ist ja auch schon schön.

Schnitzelteller mit Erbsen und Bratkartoffeln im Restaurant Søborg in Løkken.

Auch unsere nordischen Nachbarn lieben deftige Hausmannskost, wie wir im Restaurant Søborg in Løkken feststellen konnten. Lecker! – Foto: © Peter Bischoff

Speisestätte Hotel

Restaurant im Hotel Fjordgården in Ringkøbing

Wir fuhren zufällig an dem Hotelgebäude mit eigenem Restaurant vorbei und weil es an diesem kalten Novemberabend gerade Abendbrotzeit war, wagten wir den Besuch in dem stilvollen Etablissement. Das Restaurant war gerade neu eröffnet worden und bietet seitdem Gerichte auf gehobenem Niveau für Gourmets mit großzügigem Budget. Steaks und Rotwein waren ausgezeichnet und der Service sehr bemüht, auch wenn er zu damaligem Zeitpunkt noch nicht ganz perfekt eingearbeitet war.

Brondums Hotel Restaurant in Skagen

Beim Museum befindet sich der Klassiker in Skagen, in dem man wenigstens einmal gespeist haben sollte. Weiße Tischdecken, altes Besteck, eine wahrscheinlich ebenso alte Kellnerin und an den Wänden Klassiker der berühmten Skagenmaler – das alles macht das Ambiente vom Brondums Hotel Restaurant aus. Die Bedienung war zwar sehr steif, aber dennoch freundlich und das Essen, natürlich Fisch, mundete ausgezeichnet. Allerdings sind die Gerichte hier recht teuer, selbst für dänische Verhältnisse.

Hotel Backhaus in Ribe

Das Hotel Backhaus ist ein wirklich schönes altes Restaurant in der Nähe vom Dom zu Ribe. Hier werden einheimische Speisen und guter Wein auf höherem Preisniveau serviert. Auch hier gilt wie in ganz Dänemark: Trinkgeld ist eher unüblich. Wer besonders zufrieden ist, kann das natürlich honorieren. Tut man es nicht, ist das aber nicht gleich ein Zeichen für Unzufriedenheit.

Hotel Harmonien in Haderslev

Auf Empfehlung eines netten Dänen gingen wir in das Hotel Harmonien, ein altes gediegenes Restaurant mit angeschlossenem Hotelbetrieb. Dort platzierte man uns direkt vor dem heißen Kamin, sodass wir fast geröstet wurden. Aber das Essen war spitze, nur sehr teuer wie fast überall in Dänemark.

Hotel und Restaurant Kromanns in Sønderho auf Fanø

An der Südspitze der kleinen Insel Fanø haben wir einmal außerhalb der Saison zu Mittag gegessen. Es war nicht viel los und es wurde super Fisch angeboten. Zudem gab es netten Service auch auf Deutsch und allerlei Teddybären leisteten uns beim Speisen Gesellschaft (siehe erstes Foto).

Dessertteller im Hotel Fjordgården in Ringkøbing, Vanilleeis, Himbeersoße und Muffin.

Manchmal darf es natürlich auch etwas Süßes sein wie das Dessert im Hotel Fjordgården in Ringkøbing. – Foto: © Peter Bischoff

Und das Ende vom Lied?

Die vielen kulinarischen Erlebnisse, die wir inzwischen in Dänemark sammeln konnten, sind so vielfältig wie das Land selbst. Wer also denkt, die Dänen würden nur Fisch, Smørrebrød und Pølser essen, der sollte sich am besten selbst einmal ein Bild von den vielen unterschiedlichen Speisekarten machen. Und gerne auch einmal etwas Neues ausprobieren, was man im eigenen Land vielleicht sonst nicht essen würde. Das erweitert auf jeden Fall den kulinarischen Horizont!

Peter Bischoff fotografiert von Nicola Rübenberg

Foto: © Nicola Rübenberg

Zum Autor: Peter O. Bischoff, seit 1982 Inhaber des Bärensong Musikverlages in Hamburg und selbst Musiker, schreibt in seinem Buch „Backstagepass“ – Anekdoten über Musikgrößen. Hier schreibt er Kulinarisches über sein Lieblingsurlaubsland Dänemark. Also über Restaurants, Bäckereien, Räuchereien etc.

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