Monat: Dezember 2016

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Auf der Margeritenroute durch Dänemark

Eins vorweg: ein begeisterter Radler war ich nicht immer gewesen. Lieber bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Auto, das war lange Zeit meine Auffassung. Wenn man in der Stadt lebt, dann ist allerdings die zweite Variante irgendwann ziemlich müßig… Zu viel Verkehr, zu wenig Parkplätze. Und sich ständig mit vielen anderen, abgehetzten Leuten in Bus und Bahn zu stapeln, macht auf lange Sicht auch keinen Spaß.

Also entschloss ich mich eines Tages, doch einfach den guten alten Drahtesel zu bemühen. Was als erstes als Pflicht begann, dem elendigen Stadtverkehr endlich ein Schnippchen zu schlagen, baute sich schließlich zur Kür aus: ich fuhr immer weiter auch außerhalb des Stadtgebietes, hinaus in die Natur und merkte mit einem Mal, wie viel Freude mir das Fahrradfahren inzwischen schon bereitete.

Daher schickte ich mein klappriges Herrenrad irgendwann in den wohlverdienten Ruhestand und legte mir ein ordentliches Mountainbike zu, mit dem ich auch längere Strecken am Stück gut bewältigen konnte. Nach und nach kamen in dieser Zeit dann auch die ersten Fahrradurlaube zustande, durch die Berge und den Schwarzwald zum Beispiel. Und als ich einen Bericht von der „Margeritenroute“ in Dänemark las, wusste ich gleich ganz genau, wohin es mich als nächstes mit meinem Bike verschlagen würde.

Schwungvoll zu den Hotspots

Dänemark habe ich schon immer sehr gerne zum Urlauben besucht. Dann aber eher als typischer Sonnenanbeter am Strand, unweit meines Ferienhauses entfernt. Als ich aber wie gesagt von der „margueritruten“ erfuhr, wie die Margeritenroute auf Dänisch genannt wird, war ich sofort Feuer und Flamme. Das wollte ich unbedingt machen! Mit über 3.500 Kilometern Länge führt sie den Dänen nach zu etwa 1.000 kleineren und größeren Sehenswürdigkeiten des Königreichs und ist selbst auf jeden Fall die längste Attraktion als schönster Weg des Landes.

Vor über 25 Jahren wurde die Route anlässlich des 50. Geburtstages von Königin Margrethe II. initiiert und sollte Touristen den Weg zu all den großartigen Sehenswürdigkeiten des Landes weisen. Ursprünglich war der Plan, dies mittels PKW zu tun (warum die vier Reifen tatsächlich hilfreich sein können, dazu später mehr), aber schon bald wurde die Margeritenroute von vielen begeisterten Fahrradurlaubern genutzt, die bis heute nicht genug bekommen können von alten Wikingerrelikten, historischer Architektur und ländlicher Idylle. Zudem wird zumeist auf Nebenstraßen geradelt, sodass man sich in dem sowieso schon eher sparsam befahrenen Dänemark nicht mit Wohnwagen oder Bussen herumärgern muss.

Schon kurz darauf begann ich mit der konkreten Planung: wo will ich lang, was will ich sehen, wie übernachte ich denn überhaupt? Pensionen sind in Dänemark ja kaum vertreten und Hotels könnten mein recht sparsames Budget ziemlich schnell auszehren. Aber da ich einen recht geräumigen Van besitze, könnte ich mich natürlich einfach dort zumindest ab und an zum Schlafen betten. Das hätte dann fast schon so einen Abenteuercharme, dem so einige arme Wesen in den Krimis von Jussi Adler-Olsen zum Opfer fallen, denn die Margeritenroute spielt in seinen Werken stets eine Rolle.

Weiße Kirche in Lysabild auf Alsen.

Weiße Kirchen wie diese hier in Lysabild (Alsen) gibt es überall in Dänemark zu bewundern. – Foto: © Henrik R.

Vier Reifen und zwei dazu? Eine gute Kombination!

Durch die wahrlich imposante Streckenlänge von 3.500 Kilometern entschloss ich mich, die „margueritruten“ nicht auf einmal zu erkunden. Neben der Sorge, dies konditionell nicht mal im Ansatz durchzuhalten, wollte ich mir einfach auch genügend Zeit nehmen, alles ganz bewusst zu erkunden. Für meine erste Rundtour hatte ich mir grob die Region Südjütland ausgesucht und konnte mich bei der Planung ziemlich frei auf der Landkarte bewegen; schließlich hält die Margerite gleich 14 Routen parat, die sowohl parallel als auch nacheinander verlaufen und somit viel Flexibilität zulassen.

Ich wollte außerdem teilweise mit dem Auto reisen, dann eine Runde mit dem Rad drehen und schließlich mit dem Fahrzeug weiterfahren. Das entspricht zwar nicht der traditionellen Vorgehensweise, wenn von einem richtigen Fahrradurlauber die Rede ist, aber ich reiste allein und da erschien mir das Auto schon als gewisse Sicherheit. Schummeln wollte ich natürlich trotzdem nicht und so einige Kilometer am Tag auf zwei Reifen schaffen.

Im Vorfelde guckte ich mir nur ein paar Eckpunkte aus, die ich auf jeden Fall abradeln wollte, der Rest ließe sich gewiss spontan entscheiden – einfach den kleinen braunen Verkehrsschildern mit Dänemarks indirekter Nationalblume drauf folgen und schon würde ich den richtigen Weg einschlagen, da war ich mir sicher.

Feld mit Mohnblumen im Vordergrund im Grenzland von Dänemark.

Bei solch einer fantastischen Landschaft kann das Radeln doch nur Spaß machen. – Foto: © Henrik R.

Spaß am Strampeln ist Pflicht

Nur wenige Wochen später war es endlich soweit und ich startete meine Tour nach Dänemark. Ich war voller Vorfreude, aber auch sehr gespannt, ob ich meine selbstgesteckten Ziele tatsächlich schaffen würde. Direkt hinter der Grenze hatte ich die Qual der Wahl: sollte ich auf die Ostseeseite fahren oder doch lieber erst die Nordsee besuchen? Da das Wetter in Dänemark ja eh immer Glückssache ist, war ich mehr als dankbar über den blauen Himmel und den Sonnenschein und schlug den Weg Richtung Tønder ein. Wie man sagt, ist die Witterung an der Ostsee ja immer ein wenig beständiger und somit wollte ich diese Chance für die andere Landesseite nutzen.

Tønder kannte ich bereits aus einigen Urlauben zuvor, grüßte die niedliche Stadt im Vorbeifahren und machte die erste Station in der Nähe der „Trøjborg Slotsruin“. Von hier aus wollte ich mit meinem Fahrrad losstarten und mir dabei direkt die Schlossruine angucken. Nach dem ersten Sightseeing-Punkt auf meiner Liste ging es dann richtig los: für heute hatte ich mir Ribe ausgesucht. Ein ziemlich sportliches Ziel gleich am ersten Tag, aber noch war ich schließlich ausgeruht. Auch wenn ich ziemlich schnell merken sollte, dass Dänemark gar nicht so platt ist wie immer behauptet wird…

Der Weg bis nach Ribe war herrlich abwechslungsreich von der Landschaft, die natürlich deutlich von der Nordsee geprägt ist, aber sich ebenfalls herrlich frisch und grün präsentiert. Schnell merkte ich, wie gut mir die salzige Luft tat und mein Tritt wurde immer runder. So erreichte ich Ribe gut gelaunt und sah mir direkt die imposante Domkirche an. Die teilweise kleinen Kopfsteinpflasterstraßen und reizenden Fachwerkhäuser hatten es mir auch sofort angetan und beim Bummeln vergaß ich glatt die Zeit. Frisch gestärkt nach einem kleinen Snack im Imbiss machte ich mich entspannt auf den Rückweg und war dann tatsächlich doch froh, als ich meinen Wagen in der Abenddämmerung auf dem Parkplatz stehen sah.

Domkirche zu Ribe im Innenraum mit Blick auf den Altar.

Das Innere der Domkirche in Ribe ist von beeindruckender Schönheit. – Foto: © Henrik R.

Vergangenheit zum Durchfahren

In den nächsten Tagen steuerte ich mit dem Wagen diverse Stationen an, setzte ich mich auf mein Bike und erfreute mich an allerlei interessanten Dingen, die ich auf meinen Wegen entdeckte. Das galt besonders für die Insel Alsen und das wirklich bezaubernde Städtchen Sønderborg. In diesem Gebiet ist schließlich sehr viel deutsch-dänische Geschichte geschrieben worden und natürlich fuhr ich auch zum „Dybbøl Banke Historiecenter“, um mir ein Stück dieser bewegten Geschichte live ansehen zu können.

Dort bekam ich interessanterweise den Tipp von einem Besucher, unbedingt auch mal die Halbinsel Djursland und vor allem den Nationalpark Mols Bjerge mit meinem Fahrrad zu besuchen. Gesagt, getan – schon am nächsten Tag machte ich mich mit dem Wagen auf den Weg und radelte dann nicht nur durch eine unfassbar tolle Natur, sondern sah mir in Ebeltoft auch die „Fregatte Jylland“ an und genoss in Grenaa die maritime Atmosphäre im großen Hafengebiet.

Leider nützte aber alles nichts, mein Urlaub neigte sich dem Ende zu… Und so packte ich schließlich mein Mountainbike schweren Herzens wieder in den Kofferraum und fuhr mit einer ordentlichen Portion Wehmut aber auch tollen Eindrücken im Gepäck gen Heimat.

Stadttor von Faaborg auf Fünen mit Blick auf die Fußgängerzone.

Das Stadttor „Vesterport“ in Faaborg (Fünen) ist ein ehrwürdiges Wahrzeichen. – Foto: © Henrik R.

Die Margerite – Liebe auch auf den zweiten Blick

Nachdem ich den Muskelkater, den ich zugegebenermaßen nach meinem Radurlaub tatsächlich bekam, verdaut hatte, plante ich umgehend die nächste Route. Das Radeln in Dänemark hatte es mir definitiv angetan. Dieses Mal entschied ich mich für einen Inselbesuch. Mein nächster Urlaub war schnell eingereicht und so konnte ich mich wieder einmal ans Planen machen. Auch dieses Mal hielt ich es hierbei recht flexibel, mein Auto wollte ich aber definitiv wieder dabeihaben.

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit dann endlich wieder mit meinem Rad dänische Straßen befuhr, hätte ich beschwingter nicht sein können. Auch dieses Mal hatte ich Glück mit dem Wetter, nur ein kleiner Schauer überraschte mich auf meiner Tour auf Fünen. Aber selbst bei dem schlechtesten Wetter erstrahlt „Dänemarks grüner Garten“, wie die Märcheninsel auch genannt wird, in beinahe verzauberter Atmosphäre. Hier bestaunte ich so manchen Dolmen wie zum Beispiel den bei Dreslette, schaute im „Wikingermuseum Ladby“ vorbei und war erstaunt über das Erscheinungsbild von Odense, das sich modern und doch auch altertümlich präsentiert.

Hier übernachtete ich dann auch mal in einem Hotel und machte mich schließlich mit meinem Auto über die Storebæltbrücke auf den Weg zu Dänemarks größter Ostseeinsel. Zuvor machte ich aber noch rasch einen Abstecher nach Møn, der Lieblingsinsel von Günter Grass, und radelte zu den mehr als beeindruckenden Kreidefelsen, die fast 130 Meter hoch sind. Die historischen Großsteingräber wie der „Sømarkedyssen“ aus der Jungsteinzeit sind in meinen Augen aber nicht minder beeindruckend.

Auf Seeland war ich überwältigt von der Symbiose zwischen Besiedelung und Achtung vor der herrlichen Landschaft samt kulturellen Denkmälern und die Möglichkeit, sich mit dem Rad ohne Probleme fortbewegen zu können. Gerade in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, die bereits mehrfach zur fahrradfreundlichsten Stadt Europas gewählt worden ist, kann man sich perfekt mittels Pedalkraft fortbewegen und gleichzeitig Kultur, Kunst und kunterbuntes Lebensgefühl genießen. Einen besseren Abschluss für meine zweite Tour auf der Margeritenroute hätte ich mir echt nicht vorstellen können.

Mann mit Fahrrad und Hund am Ufer in Südjütland.

Als Radurlauber ist es nicht schwer, neue Leute kennenzulernen. – Foto: © Henrik R.

Was habe ich mitgenommen?

Das Radeln auf der Margeritenroute ist wirklich ein fantastisches Erlebnis, welches ich jedem begeisterten Fahrradurlauber nur wärmstens empfehlen kann. Neben all der Natur, den friedlichen Dörfern, interessanten Sehenswürdigkeiten und auch modernen Städten lernt man neben dem Land auch die Leute kennen. Und obwohl mein Dänisch recht sparsam ist, so hatte ich bei meinen zahlreichen Rasten tolle und lustige Gespräche und bekam außerdem noch den ein oder anderen Insidertipp.

Aber ich kam auch immer wieder mit anderen Fahrradurlaubern in Kontakt und manche Strecken fuhr ich einfach mit mir bis dato unbekannten Radlern mit, hielt mit ihnen Rast und machte es mir mit ihnen beim Essen gemütlich. So ein gemeinsames Erlebnis verbindet sofort und mit so einigen dieser Radurlauber pflege ich auch Zuhause einen guten Kontakt.

Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich schon sehr bald meine nächste Tour auf der Margueritruten angehen werde. Ich bin beinahe schon süchtig nach der frischen Luft, der teilweise unberührten Natur und diesem entspannten Lebensgefühl geworden, sodass ich nur allzu gut nachvollziehen kann, warum die Dänen auch in diesem Jahr wieder zu den glücklichsten Menschen der Welt gekürt wurden. Ob ich das nächste Mal dann die Region um den Limfjord beradele oder noch höher in den Norden gehe – die Margerite wird mir mit Sicherheit den richtigen Weg weisen.

fotogast_rad_margueritrutenZum Autor: Ich bin Henrik R., ein inzwischen passionierter Radurlauber, der in zahlreichen Urlauben sein Herz definitiv an Dänemark verloren hat. Auf meinem Mountainbike habe ich schon ganz unterschiedliche Regionen durchfahren und dabei das Land und seine Leute absolut liebgewonnen.